Phasen
Jeder Durchbruch führt zur nächsten
Niemand sagt dir, wie es sich anfühlt, wenn die Liebe, die du einst für jemanden empfunden hast, langsam, aber sicher verschwindet. Wir lesen oder sehen, wie Menschen sich verlieben oder den Herzschmerz nach dem Ende einer Beziehung durchleben. Beides wird ausgeschlachtet, um damit Geld zu verdienen. Über das Verschwinden der Liebe aber, die man einst fühlte, reden kaum Menschen. Dabei ist es genau das, was uns befreit, für eine neue Geschichte vorbereitet und entlastet.
Verliebtsein kennen wir von klein auf. Schon Kinder im Kindergarten werden von Erwachsenen gefragt: „Na, hast du dich verliebt? Hast du eine Freundin?“ Händchenhalten und so tun, als würde man wie Erwachsene lieben, finden die Großen niedlich. Werbung, Filme, Serien – fast überall geht es um Liebe. Wir lernen früh: Ein Partner gehört zum Leben dazu.
Du hast zwar deinen Bachelor, bist eine gemachte Frau, lebst allein, hast ein stabiles Leben, Freunde, Familie – ABER du hast keinen Mann. Also, was stimmt nicht mit dir?
Diese Frage wurde mir tatsächlich gestellt. Ich wehrte mich mit aller Kraft, stand für die Unabhängigkeit der Frauen und beteuerte, keinen Mann zu brauchen, sondern nur zu wollen. Doch ein kleiner Teil in mir zerfiel innerlich. Was, wenn sie recht hatten?
Dann kam es, wie es kommen musste: verliebt sein, zusammenkommen, eine Beziehung führen – und dann das Ende. Auch das wird ständig thematisiert. Es gibt unzählige Angebote, die dabei helfen sollen, dieses „furchtbare traumatische Erlebnis“ zu bewältigen – Spa-Angebote, Urlaube, Online-Seminare, Coaching-Sessions, Therapie. Man ist bestens versorgt. Traurige Reels liken, Storys posten, Selfies hochladen, um zu zeigen, dass man stark ist und es einen nicht zerstört hat.
Manche finden Heilung: Frauen weinen und essen, Männer suchen Ersatz oder lenken sich mit Kontakten ab. Dass beide Geschlechter unterschiedlich trauern, wissen wir längst – dazu gibt es zahllose YouTube- oder TikTok-Videos. Doch innerlich nagt die Frage: „Was hat diese Beziehung mit mir gemacht, und wie kann ich abschließen?“ Diese Frage stellt sich irgendwann jeder – unabhängig vom Geschlecht.
Denn da ist noch ein Teil in uns, der mit der Person verbunden bleibt. Manchmal fühlt es sich an, als säße sie noch auf einem inneren Thron. Solange man diesen Teil in sich trägt, kann man nicht weiterziehen. Man leidet am Ende mehr unter dem Nachhall als unter der Beziehung selbst.
Kaum jemand redet von der Phase, die am schönsten ist: wenn diese innere Verbindung verschwindet, die Person den Thron verliert und wieder zu einem normalen Menschen wird. Das ist der Moment, in dem Leichtigkeit in der Brust entsteht. Man atmet wieder frei, fühlt sich ganz bei sich, unabhängig von anderen. Das Leben genießen – Ziele setzen, sich weiterbilden, reisen, ausgehen oder ausruhen. Zum ersten Mal seit langer Zeit in Frieden sein.
Und all deine Liebe kehrt zu dir zurück. Dein Herz füllt sich mit der Energie, die verloren ging. Das Feuer in dir beginnt wieder zu flackern. „Ich bin zurück“, denkst du – mit einem Lächeln im Gesicht.
Doch bevor diese letzte Phase beginnt, kommt die, in der die Person in deinen Augen den Respekt verliert. Auch das tut weh. Es ist, als wäre man wütend auf sich selbst, weil man plötzlich nüchtern die Handlungen des anderen sieht – ohne Ausreden, ohne Rechtfertigungen. Man denkt sich nur: „Igitt.“ Da muss man manchmal kräftig schlucken und gleichzeitig loslassen. Mit jedem Schritt ein Befreiungsschlag – bis hin zur letzten Phase: der Selbst-Wiedereroberung.
Über diese Phase sollte man mehr reden. Denn von allem, was mit Verliebtsein zu tun hat, ist sie der schönste Teil – der Moment, in dem man wahrlich zu sich selbst zurückfindet.
